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Marina Frank - Ganz schön vielseitig!


18.06.2015 - Entschuldigung

Entschuldigung, dieses Wort hat es in sich.

Als Kinder lernen wir, dass man sich beim Anderen für fieses, schlechtes, ungerechtes, unangebrachtes Verhalten ihm gegenüber zu entschuldigen hat. Einfach zuschlagen geht nicht. Jemanden anzuschreien erfordert eine Entschuldigung. Dem anderen Kind etwas wegzunehmen, ist verboten. Auch dafür muss man sich entschuldigen. Wer das nicht gelernt hat, wird in seinem späteren Leben immer versuchen, es zu vermeiden.

Sich zu entschuldigen, fällt meist denjenigen schwer, die über kein besonders ausgeprägtes Selbstbewusstsein verfügen. Wer unsicher ist und sich nicht in seiner eigenen Mitte befindet, gesteht nur ungern einen Fehler ein. Genau darum handelt es sich bei einer Entschuldigung. Man gibt zu, etwas Unrechtes, Falsches, Schlechtes zum Nachteil eines anderen Menschen getan zu haben. Als Kind wäre man wahrscheinlich dafür bestraft worden. Auch im Erwachsenenalter geht es auch nicht immer ohne Sanktionen, aber eine Entschuldigung verringert oftmals die Härte, beispielsweise vor Gericht.

Unsichere Personen neigen dazu, sich durch gute Taten oder hervorragende Leistungen bei anderen beliebt machen zu wollen. Das ist ein von Kindheit an erlerntes Verhalten. Sich für eine schlechte Tat entschuldigen zu müssen, bedeutet für jemanden mit einem geringen Selbstbewusstsein auf ganzer Linie versagt zu haben und keine Liebe zu verdienen. Die Person wird es tunlichst vermeiden, ihren Fehler einzugestehen und evtl. sogar dagegen ankämpfen.

Sich zu entschuldigen kann man glücklicherweise auch im Erwachsenenalter noch erlernen!

Im Gegensatz zu demjenigen, dem es schwerfällt, gibt es Personen, die sich ständig entschuldigen, selbst wenn sie gar nichts dafür können. Sie fühlen sich für alles, was schief gehen könnte, verantwortlich. Dieses Extrem ist ebenso wenig wünschenswert. Es zeugt von einem geringen Selbstbewusstsein.

Wer meint, die Schuld an allem zu tragen, sucht nach Bestrafung. Es fällt ihm unendlich schwer, sich selber zu lieben. Sein Ziel ist die eigene Kränkung, Verletzung, die Selbstgeißelung. Aber nicht nur das: Dieser Mensch geht für andere durchs Feuer oder wirft sich in den Staub, um geliebt zu werden. Vielleicht hat er nur auf diese Weise als Kind von den Eltern Liebe erfahren? Auch er kann lernen, dass es anders geht.

Ihre Marina Frank


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Esperanza - Leseprobe gefällig?

Hier ein kurzer Auszug aus der Geschichte „Das Ziel“:

Marlene wollte den Hamburg-Marathon mitlaufen. Es waren noch drei Wochen bis zum letzten Sonntag im April, dem Tag, an dem das städtische Großereignis jedes Jahr stattfand. Sie fieberte dem Termin entgegen und konnte es kaum erwarten, die 42,195 km lange Strecke in Angriff zu nehmen. Allein für den Versuch erntete Marlene in ihrem Freundeskreis große Bewunderung. Man blickte zu ihr auf und machte ihr Mut.

»Du packst das!«, sagten die Leute. »Unsere Marlene! Wenn nicht du, wer dann? Wir drücken dir die Daumen. Was soll da schon schiefgehen?«

Irgendwann wurde ihr das Gerede zu viel. Für Marlene sah es beinahe so aus, als schmückte sich manch einer damit, jemanden persönlich zu kennen, der am Marathon teilnahm. Dieser Eindruck befremdete sie und sie beschloss, keinen weiteren Gedanken mehr daran zu verschwenden. Alles, was sie wollte, war eine möglichst gute Vorbereitung, um eine ausgezeichnete Zeit zu laufen. Dass jedes Jahr tausende Zuschauer am Straßenrand standen, die den Sportlern auf der Strecke zujubelten – also dieses Mal auch ihr – war für sie Ansporn genug.

Hier finden Sie eine weitere Leseprobe