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28.06.2016 - Zeitgefühl

Mit dem Zeitgefühl ist das so eine Sache. Manchmal meint man, die Minuten vergehen wie im Flug. Das geschieht immer dann, wenn wir etwas Schönes erleben. Dann wiederum, besonders, wenn man dringend auf etwas wartet, scheint die Zeit stillzustehen.

In manchen Situationen wünscht man sich das vielleicht sogar, weil ein schmerzhafter Abschied von einem geliebten Menschen bevorsteht, den man lange nicht wiedersehen wird.

Die Zeit bestimmt unser Leben. Sie ist die Richtschnur, an der wir uns tagtäglich orientieren. Ohne sie läuft nichts und wer über ein gutes Zeitgefühl verfügt, ist eindeutig im Vorteil. Für alle anderen gilt, sich mithilfe eines Weckers, beispielsweise am Handy, an Termine erinnern zu lassen. Man will doch nicht zu spät kommen.

Zeitgefühl hat auch etwas mit Rhythmus (Takt) zu tun und ist in der Musik von Vorteil. Wer ein gutes „Taktgefühl“ mitbringt, verirrt sich nur selten und versäumt keinen Einsatz. Taktgefühl kann nie schaden, auch nicht im „richtigen“ Leben.

Nach Operationen mit Vollnarkose hat man sein Zeitgefühl verloren. Das ist kein Wunder. Wurde man doch mitten aus dem Wachzustand heraus in künstlich erzeugten Tiefschlaf gelegt und wieder daraus geweckt.

Das Zeitgefühl zu verlieren, weil man in die Arbeit oder eine andere Beschäftigung vertieft ist, etwa eine Meditation, ein Buch, etc. kann richtig guttun. Wir alle denken viel zu viel in Minuten, Stunden und Tagen.

Lassen wir uns nicht entmutigen. Auf schöne Zeiten!

Ihre Marina Frank


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Tödliches Geschenk - Leseprobe gefällig?

»Dieses verdammte Telefon!«, rief er plötzlich und hieb mit der Faust auf den Couchtisch, sodass die Tassen auf den Untertassen tanzten. Axel war wütend. Reichte es nicht, dass er in den letzten acht Wochen wegen Bea ständig mit schlechten Nachrichten aus dem Krankenhaus rechnen musste und froh war, wenn das Telefon nicht klingelte? Nun saß er hier wie auf Kohlen und hoffte inständig auf Anna-Lenas Anruf.

Wieso kam die Familie nicht zur Ruhe? Es sah doch alles so gut aus. Beas Transplantation stand kurz bevor. Mit Sabines Niere würde sie wieder ganz gesund werden, hatten die Ärzte gesagt, und nun das! Wo war Anna-Lena?

Um viertel nach elf klingelte es an der Haustür. Axel ging, um zu öffnen. Es war Conny. Anstatt ihn wie sonst überschwänglich zu begrüßen und mit einem Redeschwall zu überfallen, stand sie nur so da. Sie sah ihn entsetzt an – einen Zettel in der Hand.

Axel verstand nicht, was das sollte. Er brauchte einen Moment, bevor er fragte: »Ist alles in Ordnung mit dir?« Er trat einen Schritt zur Seite, um Conny hereinzulassen. Sie rührte sich nicht. Es sah so aus, als sei sie an der Türschwelle festgeklebt.

»Komm ins Haus. Du wirst noch ganz nass«, sagte Axel, schob Conny mit einer Hand, die er ihr auf den Arm legte, an sich vorbei und schloss die Tür. Axel sah Conny an. Wortlos hielt sie ihm den Zettel entgegen.

»Was soll ich damit?«, fragte Axel. Conny schwieg noch immer. »Was ist denn bloß mit dir los? Hast du etwa deine Sprache verloren?«

»Lies!«, sagte Conny mit tonloser Stimme. Axel griff nach dem Zettel, der vom Regen feucht geworden war. Er las die Worte, die darauf standen, ohne deren Bedeutung zu erfassen. Sie lauteten:

Diese Transplantation darf nicht stattfinden!
Wenn Sie Ihre Tochter lebend wiedersehen wollen,
lassen Sie die Finger davon!!!

Hier finden Sie eine weitere Leseprobe